Du bist dran!
- Metin Kurtuluş

- 20. März
- 2 Min. Lesezeit
Heute auf der Bühne: Eine neue Generation
Die dritte und vierte Generation steht heute auf der Bühne.In Österreich geboren, auf der Straße Deutsch sprechend, zu Hause dem „Hausschuh-Terror“ der Mutter ausgesetzt oder ``wienerisch daheim unter dem Pantofel-Terror der Mama`` – eine mehrsprachige Generation.
Offiziell gilt: Diese Jugendlichen sprechen Deutsch wie ihre Muttersprache.In der Realität, beim Blick auf die Schulnoten, denkt man unweigerlich:
„Kann das Kind kein Deutsch – oder bevorzugt das System, es nicht zu verstehen?“
Vielleicht gibt es die andere Seite der Medaille.Denn in manchen Klassen werden Noten so sparsam verteilt, dass man sich fragt:Als ob die Lehrer*innen die Punkte aus eigener Tasche zahlen müssten.
Aber es geht nicht nur um Sprache.Diese Jugendlichen wachsen zwischen zwei Welten auf:Einerseits Österreich, andererseits die Kultur der Familie.
Zu Hause: „Respekt vor den Älteren“In der Schule: „Selbstständigkeit“Zu Hause: „Reste auf dem Teller? Niemals!“In der Schule: „Wenn du willst, lass liegen.“Zu Hause: „Schatz, so zieh dich nicht an, die Nachbarn gucken!“In der Schule: „Keiner schaut eh hin.“
Und dann wird von denselben Jugendlichen erwartet: perfekte Performance in beiden Welten.Kurzum: diese Generation ist ein Kultur - Hürdenlaufer!
Hürden?Manchmal Sprache.Manchmal Vorurteile.Manchmal die gut gemeinten Erwartungen beider Seiten.Ein Fuß im Schnitzel, der andere im Dolma(türkisches Gericht) Und manchmal ist beides nicht ganz durch.
Eltern und Kultur
Wie geben die Familien diese Kultur weiter?Ermöglichen sie den Jugendlichen wirklich, sich frei zwischen den Welten zu bewegen?Oder laden sie unbewusst die Doppelschicht beider Welten auf die Schultern der Kinder?
Diese Fragen sind nicht einfach.Aber eines ist klar:Die 3. und 4. Generation der Migrantinnen in Österreich ist längst nicht mehr nur Statist in Integrationsgeschichten.Sie sind Autorinnen, manchmal auch Editorinnen und Kritikerinnen derselben Geschichten.
Ratschläge? Junge Leut’ hören eh nix – des schaut aus wie: ‚gescheissen‘ und weiter.Aber sehen sie, dass jemand, der ihnen ähnelt, Erfolg hat, machen sie sich still Notizen.
Ärztinnen, Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Sportler*innen…Am wichtigsten: Menschen, die ihren eigenen Weg gegangen sind.
Hier überlassen wir die Bühne den Jugendlichen:
„Du bist dran! / Söz sende artık!“
Das Mikrofon liegt jetzt bei euch.Wir haben jahrelang gesprochen.Manchmal zu viel.Manchmal falsch.Manchmal geredet, ohne etwas zu sagen.
Jetzt seid ihr dran.
Kleine Bitte: Erzählt nicht nur Erfolgsgeschichten.Denn das Leben besteht nicht nur aus „Ich hab’s geschafft“.
Erzählt auch:Fehler.Die seltsamen Momente zwischen zwei Kulturen.Die Augenblicke, in denen man nirgendwo richtig dazugehört – und gleichzeitig überall.
Der Alltag:
Morgens Goethe im Unterricht,abends Tee für die Gäste servieren.Einmal Individualität, einmal „denk auch an den Cousin“.Einmal du selbst sein, einmal: „Oh nein, die Kleinen dürfen nicht reden, aber zu viel Aufmerksamkeit auch nicht“.
Kurzum:Diese Generation spricht nicht nur zwei Sprachen,sie beherrscht auch die Ironie zwischen zwei Welten wie ihre Muttersprache.
Und vielleicht gerade deshalb werden die interessantesten Geschichten Österreichs genau aus dieser Generation kommen.
Während das System noch nicht weiß, wie es reagieren soll,zeichnen die Jugendlichen längst ihre eigenen Wege.
Und vielleicht ist das Ironischste:Jahrzehntelang wurde ihnen gesagt: „Passt euch an.“Jetzt merken wir: Vielleicht sind wir diejenigen, die Anpassung lernen sollten.
Du bist dran. / Söz sende.




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